Winter, oh du kalter Freund

Liedtexte 

Winter, oh, du kalter Freund

Winter, oh, du kalter Freund
mach' s uns nicht zu schwer.
Deine Fäuste halten fest
und dein eis'ger Atem bläst
ins Gesicht uns schwer.
Laß der Sonne ihre Zeit
täglich uns zu sehn,
daß ein wenig Wärme nur
den Geschöpfen der Natur
hilft zu widerstehn.

Winter, oh, du kalter Freund
mit Gesichtern zwei.
Freundlich deckt dein Mantel weiß
rings den ganzen Erdenkreis;
zaubert Licht herbei.
Aber manchem Menschenkind
bringst du bitt'res Leid.
Wem kein Dach bleibt überm Haupt,
nur an kalte Herzen glaubt,
ist dir nicht gefeit.

Winter, oh, du kalter Freund
senk den strengen Blick.
Deine Schwester Frühlingszeit
hält sich hinten schon bereit;
bringt das Grün zurück.
Winter, oh, du kalter Freund --
jedem seine Zeit.
Deine Blumen werden rar
blühn erst wieder übers Jahr
Lenz, mach dich bereit.

Text und Musik: Wolfgang Rieck

Wenn ein Seemann Weihnacht feiert

Wenn ein Seemann Weihnacht feiert
Träumt er von zu Haus,
holt aus seinem Kammerspind
das Fotoalbum raus.
Denkt an die Daheimgeblieb’nen,
denkt an Frau und Kind –
was sie jetzt wohl gerade machen,
ob sie fröhlich sind?

Wenn ein Seemann Weihnacht feiert,
geht es lustig zu – die
ganze Mannschaft trinkt dann Rum
und singt von Daddeldu.
Und sie lallen grobe Verse,
die man sonst nicht hört
lauschen einem Weihnachtslied,
das das Herz berührt.

Wenn ein Seemann Weihnacht feiert,
drunten um Kap Horn,
tobt ein Sturm mir Riesenwellen,
glaubt, man ist verlorn.
Und was dann nicht festgebunden,
purzelt durch den Raum:
Weihnachtsstern, Geschenkpakete
und der Tannenbaum.

Wenn ein Seemann Weihnacht feiert,
fehlt der Weihnachtsmann,
denn mit seinem Pferdeschlitten
kommt er nicht heran.
Aber Neptun mit Gefolge – träumt er –
springt da manchmal ein.
Wenn die Mannschaft artig war,
dann bleibt sie nicht allein.
Kommt dann mit 12 Wassernixen
und die Party steigt.
Und das Tanzbein wird geschwungen
bis die Nacht sich neigt.

Wenn ein Seemann Weihnacht feiert,
denkt er an zu Haus.
Weiß er doch, nach ein paar Wochen
ist die Reise aus.
Sehnt sich schon nach Frau und Kindern
In der Stadt am Meer.
Könnt sich nicht so darauf freu’n,
wenn er kein Seemann wär‘.

Text und Musik: Wolfgang Rieck

Ein Weihnachten

Es winkte mir kein Baum mit Christbaumkerzen;
sechs Wochen erst war ich aus der Armee
entlassen, dichter lag in meinem Herzen
als ringsum in der großen Stadt der Schnee.
Die harschen Steige lagen schon verlassen,
die Buckel knarrten, und es war noch hell;
ich irrte ziellos durch die kleinen Gassen
und unversehens stand ich vorm Bordell.

Ich öffnete die wohlbekannte Türe –
und wandte mich zutiefst beschämt zum Gehn;
mir war, als würden mir die Silberschnüre,
die goldnen Sterne in die Augen sehn.
Der Tisch war für die Gäste schon gerichtet;
den Braten trug das dralle Ding vom Land
herein, sie sah mich, und ich stand vernichtet.
Dann nahm sie still mich freundlich bei der Hand.

Und vor den Leuten, die beladen kamen,
gab sie mich leicht als einen Vetter aus;
ich sang die alten Lieder, heilgen Namen,
und teilte froh mit jung und alt den Schmaus.
Und als ich ging mit ihren letzten Gästen,
rief auf der Stiege mich ihr Blick zurück;
und zwischen Christbaumschmuck und Kerzenresten
genoß gerührt ich unverdientes Glück.

Text : Theodor Kramer
Musik. Wolfgang Rieck