Hür tau, min Jung "Plattdeutsche Lieder" von Joachim Piatkowski und Wolfgang Rieck
Gerade halte ich ihre erste
LP in den Händen. Wer sie nicht weiter kennt,
könnte sagen: die beiden haben's geschafft.
Wer sie kennt, weiß, dass diese Form ihrer
Popularisierung eigentlich nur die Konsequenz einer
jahrelangen schöpferischen und produktiven
Arbeit ist.
Ich meine Joachim Piatkowski und Wolfgang Rieck
und ihre "Plattdeutschen Lieder".
Eine Schallplatte, die mir - das sei vorweggenommen
- ausnehmend gut gefällt. Hier spürt
man - wie auch bei allen Programmen und Auftritten
- da stehen zwei echte Mecklenburger dahinter,
die sich mit Leib und Seele dem Niederdeutschen
verschrieben haben, die uns in ihrer Mundart viel
zu sagen haben…
Einige Titel stammen aus ihrem neuesten Programm "Du
schliefst, Land Mecklenburg". Zum Beispiel "Dree
Daag", das Klagelied eines Tagelöhners,
oder das"Kongreßleed",
zu dem die Textvorlage aus dem "Reformblatt
für
beide Mecklenburg" vom 8. 3. 1851 stammt.
Klug konzipiert gibt es Auskunft über die Auswirkungen der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848 auf Mecklenburg. Die Platte vereint nachdenkliche Lieder - wie
"Hür tau, min Jung" nach einem
Text von Fritz Meyer-Scharffenberg, mahnende - wie
"Feldstein
an de Straat", das an den Todesmarsch
der KZ-Häftlinge
von Sachsenhausen kurz vor Kriegsende gen Norden
erinnert, bissige - wie "De Paap",
lyrische - wie das "Weegenleed" oder
eine der schönsten plattdeutschen Liebeserklärungen "Dat
du min Leevste büst", heitere -
wie "Anna
Susanna" oder "De Linnewevers". Die
Palette ist breit, und die Platte stellt somit einen
Querschnitt des vielseitigen gesanglichen, instrumentalen
und kompositorischen Ausdrucksvermögens zweier
Musikanten vor, die sich mit Recht als echte niederdeutsche
Volkssänger bezeichnen können.
Karin Dannehl aus Ostseezeitung, Rostock vom 10./11. März 1984
Neu bei AMIGA
Vielfach preisgekrönt sind JOACHIM PIATKOWSKI und WOLFGANG RIECK aus Rostock, deren erste Langspielplatte "Plattdeutsche Lieder" ebenfalls unlängst bei AMIGA verlegt wurde. Auch sie haben dazu beigetragen, einen ganz besonderen, eigenständigen Teil deutscher Volkskultur vor dem Vergessen zu bewahren… Piatkowski und Rieck verstehen sich nicht als Museumshüter, sie sammeln und bewahren nicht nur die schönen alten Lieder ihrer Heimat, sie schaffen auch neue in der Tradition der alten. "Feldstein an de Straat" zur Erinnerung an den Todesmarsch der Häftlinge von Sachsenhausen im Frühjahr 1945 oder das "Buernlied" zum Beispiel. Da, wo Piatkowski und Rieck historische Texte vertonen oder alte Volkslieder neu interpretieren, sind sie sehr gegenwärtig, ihr differenzierter und musikalisch anspruchsvoller Vortrag ist frei von Nostalgie oder sentimentaler Volkstümelei.
Aus SONNTAG 3, 1984